Henry Harrison Mayes Roadside Markers
English Speaking Visitors: There is a dedicated page for Henry Harrison Mayes work and mission now.
Das erste Mal entdeckte ich den seltsamen Zementmarker mit der Botschaft das "JESUS IS COMING SOON" 2018 in Conway, Arkansas.
Violett angemalt, die eigenartig geometrische Typographie gelb hervorgehoben, stand er neben einer Garage am Highway und mahnte die Vorbeifahrenden dazu auf, Rechenschaft an Gott abzulegen.
Arkansas ist bekannt für seine hohe Dichte an Kirchen, somit ist Religion allgegenwärtig und fährt man raus aus Conway, dann steht da eine Kirche neben der anderen. Somit ist die Botschaft am Straßenrand nicht wirklich verwunderlich und trotzdem wirkte es wie ein seltsames Gewächs aus einer anderen Zeit.
Bei näherer Betrachtung konnte man den groben Zement und die Verwitterung sehen, aber kein Zeichen auf den Ursprung.
Erect in Algeria 1990 - 5 lautete die Anweisung an der Seite - Aufstellen in Algerien 1990 - 1995. Ich hatte keine Ahnung was ich damit anfangen sollte und tat es als eine der Missionierungsarten in den Südstaaten ab. Ein seltsamer Zementmarker zwischen Werbung und Folk-Art.
Zwei Jahre später scrollte ich auf Facebook über eine Sammlung von Fotos die sich mit Amerikanischer Folk-Art (die Übersetzung in Volkskunst erscheint mir nicht angemessen) beschäftigten, und da sah ich den Zementmarker wieder - nicht nur einen, eine Sammlung, und ein Gesicht, und einen Namen.

Henry Harrison Mayes aus Middleborro, Kentucky.
Meine Online Recherche brachte schnell einige Ergebnisse zur Geschichte des Mannes, seinem Werk und Fotos von immer noch existierenden Markern, hauptsächlich in Kentucky, Tennessee und North Carolina. Neuere Fotos stammten oft von Leuten die wie ich den Süden der USA nach seinen seltsamen Eigenheiten abgrasen und dann entweder darüber in einem Blog schreiben oder Youtube Videos erstellen oder sonst irgend eine Spur hinterlassen. God bless them, wie wir hier im Erzgebirge sagen würden. :)
Mir scheint als wäre ich in 2022 in der 3. Generation derer die von Mayes Arbeit oder besser seiner Bessenheit, besessen sind und alles herausfinden möchten. Viele Blogeinträge zu Entdeckungen von Mayes Markern stammen von 2010 und glücklichwerweise war das noch eine Zeit in der Leute eigene Websites betrieben und auch Beiträge untereinander kommentierten. Somit war es möglich die eine oder andere Sichtung in den Kommentaren nachvollziehen zu können und via Google Maps sogar zu verifizieren.
Nachfolgend also Henry Harrison Mayers Geschichte und eine Liste aller (mir) bekannten Marker.
Henry Harrison Mayes Geschichte
Henry Harrison Mayes wurde 1897 seinen Eltern Malinda und Lewis "Ed" Mayes geboren in Fork Ridge, TN geboren.
Mit 15 Jahren begann Mayes, wie vermutliche jeder in der Region, im Kohlebergbau zu arbeiten. Eigentlich wollte er Prediger werden, aber er verfügte nicht über ausreichende Bildung und er hatte seine Familie zu unterstützen.
Nebenbei begann er Schilder mit kurzen Botschaften aus der Bibel zu beschriften und an Laternen anzupinnen oder er bemalte Felsen und Steine.
Aus den ersten Interviews Mitte der vierziger Jahre wird noch nicht ersichtlich wie er zum predigen, auf diese besondere Art und Weise, kam. In späteren Artikeln wird der Ursprung seiner Besessenheit, seinen Glauben sprichwörtlich in Zement zu giessen und für Andere eine Mahnung sich dem Glauben zuzuwenden auf einen anderen Grund zurückgeführt.
Mit 19 Jahren verunglückte Mayes schwer in den Kohlemienen. Er wurde von einem Trolly gegen die Strollenwand gedrückt und erlitt so schwere Verletzungen, dass seinen Angehörigen gesagt wurde, er würde die Nacht nicht überleben. Er hingegen betete und versprach dem Herrgott, alles zu tun, um so vielen Menschen wie möglich zum Glauben zu bekehren. Und offensichtlich lies sich Gott darauf ein, da er wohl in Mayes einen hingebungsvollen und begabten Christen sah.
Brüder im Geiste
Erweckungsgeschichten wie diese gibt es viele. Rev. Howard Finster "Man of Visions" aus Georgia1, einer der bekanntesten Folk-Art Künstler Amerikas arbeitete ununterbrochen an der Erweiterung seines Paradise Garden, nachdem er Visionen hatte. Ed Stilley2 aus Arkansas der bei der Feldarbeit ein Herzinfarkt erlitt und eine Vision von Gott hatte der ihn wieder gesund lassen wollte, wenn Ed versprach Instrumente für Kinder zu bauen. Oder auch Brother Claude Ely3, der mit 12 Jahren auf dem Todesbett den mittlerweile bekannten Gospel Song “Ain’t No Grave Gonna Hold My Body Down” als Antwort auf die erhörten Gebete zu Besten gab.
Nachdem der Pakt mit Gott geschlossen war, versuchte sich Mayes als Prediger, konnte aber niemanden so richtig mitreisen. Auch als Gospel Sänger traf er nicht den richtigen Ton, also tat er was er am Besten konnte und malte Botschaften auf Schilder.
Harrison Mayes wurde zur Marketingabteilung Gottes und stellte bis Mitte der 40er Jahre über 1600 Schilder aus Holz oder Pappe an den Highways in 25 Staaten auf.
Diese Aufgabe erledigte er Zeit seines Lebens nebenbei und finanzierte alles durch Spenden die er hier und da sammeln konnte. Ausserdem verdiente er sich als Schildermaler für Softdrink Firmen, welches ihm einerseits die Möglichkeit gab sein Handwerk zu vertiefen und die Kassen für seine Berufung zu füllen.
Weltall, Erde, Mensch
Mayes Drang, Gottes Wort wie einen Soft-Drink zu verbreiten, kannte sprichwörtlich keine Grenzen. Vor allem nicht in Quantität. Er legte auf seinem Grundstück in Fork Ridge einen 10 Meter langen Schiftzug V(ictory) In God aus welches von Flugzeugen gesehen werden sollte. Ähnliches tat er in der Nähe von Flughäfen. Reisende ob per Automobil oder Flugzeug oder auch Zug, sollten sich darauf vorbereiten ihren Schöpfer zu treffen (PREPARE TO MEET GOD) - nicht mehr und nicht weniger.
Als Mayes mit seiner Famile in das naheliegende Middlesboro zog legte er sein Haus in Form eines Kreuzes aus, welches für überfliegende Menschen die Botschaft "JESUS SAVES" bereit hielt. Er nennt sein Haus "Air Castle" (Luftschloss) und ist im Giebel mit den Initialien P.A.E. verziert, deren Bedeutung Mayes zu Lebzeiten geheimhielt.


Die ersten Zementkreuze
Irgendwann wurde jedoch der Aufwand zu groß, die der Witterung ausgesetzten Schilder auszubessern oder zu ersetzen und so beschloss Mayes um 1945 herum, Zementmarkern zu gießen, in der Voraussicht dass diese definitiv noch nach seinem Tod stehen werden.
"The concret will be standing after I'm dead and gone"4
Als Design wählte er zum einen das klassische Kreuz, mit einer sehr eigenen geometrischen Typographie, die wohl der Herstellung der Form geschuldet war und einem Marker in Herzform.
Die Marker goß er auf dem Grundstück hinter dem Haus und wenn er genüged zusammen hatte, heuerte er Bekannte mit einem Flachbetttruck an, die ihn in alle Richtungen durch die USA fuhren und mit ihm die Marker an Highways, in Sichtweite aufstellten. Mayes selbst hatte keinen Führerschein und war dait immer auf andere angewiesen. Weiterhin konnten sie jeweils nur 2 der Marker zur gleichen Zeit ausfahren. Das Aufstellen selbst war wohl in 5 Minuten erledigt, nachdem das Loch gegraben wurde.
Konflikte mit den Behörden
Natürlich kam Mayes in Konflikt mit der Strassenaufsichtsbehörde, mit Grundstückseignern und Anderen, ihm nicht so wohl gesonnenen Menschen. Natürlich übertrat er Gesetze, aber Mayes war der Aufassung "Man kommt nicht weit, wenn man nach Erlaubnis fragt" und damit war es ihm möglich Hunderte Marker aufzustellen, die bis heute, fast 40 Jahre nach seinem Tod noch existieren. Briefe mit Aufforderungen die Schilder zu entfernen oder Gebühren für die Entfernung der Schilder ignoriert er. Keiner hat bis jetzt die Gebühren eingetrieben und die Bearbeiter tun nur was ihnen aufgetragen wird, er hegt keinen Groll.
Manchmal hinterlies er auch eine Karte welche dem Landbesitzer mitteilte dass er in der Hölle schmoren wird, sollte er sich entscheiden den Marker nierderzureisen.
Das Mayes in großem Maßstab dachte war auch an seiner Vision zu sehen, Marker auf der ganzen Welt und sogar auf allen neun bekannten Planeten aufstellen zu lassen.
„Ich möchte das Wort Gottes auf der ganzen Welt und im Universum verbreiten“, sagt er. „Ich weiß, dass es da draußen (auf anderen Planeten) Leben gibt, und sie müssen auch gerettet werden.“
MAYES BENANNTE jeden seiner fünf Söhne nach Kontinenten und überredete seine sie, seine 18 Enkel und 18 Urenkel nach Planeten (Venus, Merkur, Pluto usw.) zu benennen – wobei einer sogar „Planet X“ genannt werden sollte, für „irgendeinen neuen Planeten der entdeckt werden könnte“.
„So wie wir uns das vorstellen“, sagte Mayes, „ist jedes der Kinder dafür verantwortlich, Schilder auf den Planeten anzubringen, nach denen sie benannt sind. Ich denke, dass die interplanare Raumfahrt bis zum Jahr 2020 ziemlich verbreitet sein wird, also plane ich nur im Voraus.“
-- The Courier-Journal, Louisville, Kentucky, Sun, Oct 14, 1973 · Page 77
Viele seiner Marker enthalten also die Aufforderung Erect in (Country or Planet) 1990 - 5 und selbst sein modifiertes Fahrrad wies darauf hin, dass Mayes es Ernst meinte mit der Planetenexkursion.
Mayes war kein ausgesprochener Freund von vorehelichen Geschlechtsverkehr oder Verhütung, wie einige Schilder beweisen. Gleichzeitig war er ein früher Befürworter von Ehen zwischen Schwarzen und Weissen Amerikanern und auch sonst nicht so fanatisch wie man ihm vielleicht nachsagen könnte in Anbetracht seiner missionarischen Tätigkeit.
I'm not a crank at all



1975 musste er die schwere körperliche Arbeit aufgrund seines Alters aufgeben, jedoch nicht seinen Drang "die frohe Botschaft" in die Welt zu senden. Seine Frau und er fokusierten sich darauf, Nachrichten in Whiskyflaschen zu plazieren und in den Wasserkreislauf zu geben, welche hier und da in der Welt an die Stände gespült wurden.
Die Flaschenpost war schon immer ein Teil der Arbeit von Mayes und seiner Frau Mary Lillie. So hofften sie ihre Nachricht hinter den eisernen Vorhang gelangen zu lassen. Dazu schickten sie dem Postamtsleiter von Istanbul 4 Flaschen mit der Bitte sie in den Bosporus zu geben, nicht damit rechnend, dass die Strömung von der Sowjetunion wegfliesst, nicht hinein. Das Paket wurde jedoch zurückgeschickt, vermutlich auch weil keiner die Nachricht in Türkisch lesen konnte, welche "Sprachkundige" der Lincoln Memorial University verfasst hatten.
Ob ihr Plan aufging, Flaschen in Wien in die Donau geben zu lassen ist nicht bekannt, aber sie spielten mit dem Gedanken5.
1988 starb Henry Harrison Mayes und seine Frau. Seine verbleibenden Marker, sowie sein Rad, Schilder und Artifakte wurden dem Museum of Appalachia übergeben. Zuviele seiner Marker sind über die Zeit Straßenerweiterungen, Unfällen oder einfach dem Verfall anheimgefallen. In seinem ehemaligen Wirkungskreis gibt es aber immer noch die Spuren von "Gottes Schildermaler" zu entdecken. Sein Haus steht noch, wenn auch ohne die Beschriftung auf dem Dach, das beleuchtete Kreuz in den Bergen über der Stadt ist immer noch in Betrieb und es wurde ein Buch im Eigenverlag veröffentlicht6

Was es mit den Initialen P.A.E. auf sich hatte kam 10 Jahre später nach dem öffnen einer von Mayes erstellten Zeitkapsel ans Tageslicht: Planetary Aviation Evangelist war Mayes geheimer und geheiligter name.
Links
- Prepare to meet Henry Harrison Mayes - An online documentation of Harrison Mayes roadside evangelism
- Prepare to meet Henry Harrison Mayes - A tumblr blog to document my findings
- The Carpetbagger: Harrison Mayes
- The Carpetbagger: Searching for Harrison Mayes on the Rattler
- Strange Carolinas: The Travelogue Of The Offbeat: Search results for Harrison Mayes
- Smith D Ray about Harrison Mayes
- Highway sign evangelist Harrison Mayes - The Courier-Journal
- Harrison Mayes, Signs | SPACES Archives
- The Story Of The Concrete Cross - Part 1 - Only In Arkansas
- Have You Ever Seen A Harrison Mayes Cross? | Blind Pig and The Acorn
- Harrison Mayes Roadside Marker | Fotosammlung
List of all known markers
The following list includes all markers I could find online and most of them I was able to verify online. If a status of a marker is unknown it's noted. I added as much information to each marker as possible, added coordinates and tried to give credit to who mentioned them online. Apologies if I forgot someone or got something wrong.
Please contact me through the form below if you know any markers that I might have missed from 8000 km away :).
Contribute
If you know any marker that's not on the list or want to correct a record, or have additional material, please use the form below or write an email to mayes@marcus-obst.de!
https://forms.gle/k4EhWavQj2TKNE4x8
Changelog
- 2022-05-14 Remove secondary content
- 2022-05-07 Add Sign in Speedwell, TN (https://henry-harrison-mayes.tumblr.com/post/683548568674549760)
- 2022-05-07 Add Audio from Kentucky
- 2022-01-06 First Publish


